Nationalpark Bayerischer Wald
Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde am 7. Oktober 1970 als erster deutscher Nationalpark gegründet.
Am 1. August 1997 wurde der Nationalpark um 11 000 Hektar bis nach Bayerisch Eisenstein erweitert. Er ist mit 24.000 Hektar der größte deutsche Waldnationalpark. Staatsminister Dr. Hans Eisenmann hat mit seinem vielzitiertem Ausspruch: "Ein Urwald für unsere Kinder und Kindeskinder" dem Nationalpark die Leitidee "Natur Natur sein lassen" vorgegeben. Seine Entscheidung, nach dem Gewittersturm im August 1983, die Windwurfflächen in der damaligen Reservatszone des Nationalparks nicht aufzuarbeiten, sondern der natürlichen Waldentwicklung zu überlassen, stellte noch in seiner Amtszeit die Weichen für die Naturwaldentwicklung im Nationalpark.
Bayerischer Wald - bei diesem Namen tauchen Bilder eines nahezu unendlichen Wald- meeres vor dem innerern Auge auf, wie es von Adalbert Stifter beschrieben und von Reinhold Koeppel gemalt wurde, weltverlorene Waldeinsamkeit dunkel und geheimnisvoll.
Die faszinierende Wirkung des Begriffes Nationalpark als Leitbild einer Sehnsucht nach unberührter Natur ist vielen Menschen durch unzählige Fernsehberichte über außer- europäische Nationalparke bekannt. Allzu oft wird dabei das Bild eines grünen Paradieses, einer nahezu idealen heilen Welt, in die der Mensch mit seinen störenden Händen nicht eingreift, vermittelt.
Es war und ist ein mühsamer Lernprozess für Nationalparkmitarbeiter, Einheimische und Besucher des Nationalparks Bayerischer Wald, zu erkennen und zu akzeptieren, dass die Natur diese menschliche Vorstellung, dieses Bild einer Naturwaldvision, mit harter Hand beiseite gefegt hat. Der Wald im Nationalpark Bayerischer Wald geht seinen eigenen Weg, nicht vorhersehbar, vielfältiger als vorstellbar, und immer wieder überraschend neu.
Dieser Nationalparkwald zeigt ein wahrhaft unabhängiges, selbstbewusstes Leben, er zeigt seine Vergänglichkeit und das neue Werden und offenbart gerade darin seine von uns unabhängige Eigenständigkeit. Windwurf , Borkenkäfer, Schneebruch, Rotwild, Luchs und Wolf, Weidenröschen und Soldanelle, Zunderschwamm, Zusammenbruch und undurch- dringliche junge Waldwildnis, all dies ist dem Wald nicht fremd, sondern gerade dies ist der wilde Wald im Nationalpark.
Staunend, erschrocken, verunsichert stehen wir Menschen diesem Wald gegenüber, tasten uns an ihn heran, lernen, uns auf ihn einzulassen, ihn zu verstehen und zu begreifen. Schritt für Schritt folgt so unser eigener Entwicklungsprozess der Entwicklung des Waldes, suchend und lernend.
Wenn wir alle unsere Sinne öffnen für diesen wilden Wald im Herzen Europas, beginnt er, eine ganz besondere Faszination auszustrahlen. Er zeigt uns die Vielfalt seiner Ausdrucksmöglichkeiten, seiner eigenständigen Farben- und Formensprache, Endlichkeit und Unendlichkeit dieser Waldnatur werden sichtbar, erlebbar und verstehbar. Der Nationalpark wird damit zu einer Herausforderung an alle, die diesen Wald besuchen und kennenlernen wollen.
Quelle: Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald
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Nationalpark Sumava
Die großflächigen Gebirgsteile des Sumava entlang der südwestlichen Grenze der Tschechischen Republik zu Deutschland und Österreich wurden 1991 zum Nationalpark (NP) ernannt. Nationalparke stellen die höchste rechtliche Form des Naturschutzes in der Tschechischen Republik dar.
Unter den drei tschechischen Nationalparken gilt der NP Sumava mit 69030 ha als der Flächengrößte. Gemeinsam mit den 24000 ha des benachbarten, seit 1970 geschützten deutschen Nationalparks Bayerischer Wald nehmen beide ein Drittel des großflächigsten mitteleuropäischen Waldgebietes - des Böhmerwaldes - ein.
Wegen seiner Lage im dicht besiedelten Mitteleuropa, relativ hoher Naturnähe sowie reicher Wasserreserven, wird der Böhmerwald - tschechisch Sumava - oft "Grünes Dach Europas" genannt.
Seit den ersten Schutzvorschlägen zum Naturpark (1911) über Aufruf von Prof. Komarek zum Schutz des Sumava als Nationalpark im Jahre 1946 sowie weitere Versuche um 1968-1969 und in den 80.Jahren verging zur Enstehung des NP Sumava eine lange Zeit, erfüllt von Schritten zur Unterschutzstellung von einzelnen Naturschutzgebieten sowie zur "Vorstufe" des großflächigen Schutzes - dem im Jahre 1963 unter Schutz gestellten, damals noch mit 163000 ha großflächigsten tschechoslowakischen Landschaftsschutz- gebiets (CHKO).
Der NP Sumava schließt die Mehrheit der wertvollsten schutzbedürftigen Naturgemein- schaften des Sumava ein - z.B. urwaldartige Restbestände der Bergwälder, Gletscherseen, Hochmoore oder Talauen. Gleichzeitig zählt zu seinen prägenden Grundrissen das fast allgegenwärtige Durchdringen dieser wenig gestörten Natürlichkeit mit den Spuren von jahrhundertelanger Anwesenheit des Menschen, was dieser spärlich besiedelten Land- schaft einen einzigartigen Reiz und eine eigene Heimlichkeit gibt. Das Erleben von Natur und Geschichte sowie Erholung des modernen Menschen in der Natur - das soll der Sinn der "menschlichen" Dimension auch im NP Sumava sein.
Quelle: Nationalparkverwaltung Sumava